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Ich war wie Sie! Lappenwäsche statt täglich duschen, Taschenrechner
solar, aber hallo!, sanfter Tourismus im Sauerland, Sie wissen schon. Doch eines
Tages, vor genau vier Wochen, kam ein Teufel über mich und nahm Besitz von
mir.
Es fing harmlos an. Am Morgen erwachte ich und fand, ich sollte aufstehen,
600 Mark nehmen und ein Auto kaufen. Ein Auto, das wie neu aussieht, kaum gefahren
ist und zwei Jahre TÜV hat. Solche Ideen gibt einem der Teufel ein.
Kurze Zeit später stand ich vor dem grünen Volvo. Praktisch ein Neuwagen.
Zwei Jahre TÜV. 20 Jahre, kein Alter. Herrlich! Aber: 100 PS. Anderthalb
Tonnen. 17 Liter Super, locker. ``Nein!'' schrie ich, und meine Hand umkrampfte
die 600 Mark, ``das nicht, nie, niemals!'' Zu hören aber war kein Ton. Satan
hatte meinen Mund verschlossen. Er stieß hart gegen meinen Kopf - ich nickte.
Er öffnete gewaltsam meine Hand - das Geld fiel auf den Tisch.
Ich schwöre: Einst war ich wie Sie! Fußgänger aus Leidenschaft.
Allenfalls Fahrrad. Oder Bahn. Wenn aber das Auto gar nicht zu umgehen war, dann
mußte es hundertmal abgasgereinigt sein, kennwertgesteuert eingespritzt,
CW-optimiert. Die Fahrweise mußte angepaßt, ökologisch, vernünftig
sein: weder Bremsen noch Gas - rollen! Ich war ein fanatischer Anbeter der Ecomatic,
die das Hochschalten diktiert und Vollgasfrevel sofort meldet. Es ist wahr: Ich
notierte meine lächerlich geringen Verbräuche in einer Kladde! Doch
nun - ritt mich der Teufel.
Der ungeheuerliche Durst des ``Tiers'', wie ich die schwere Limousine spontan
genannt hatte, bereitete mir ein perverses, nie gekanntes Vergnügen. Wohlige
Schauer liefen mir über den Rücken, sobald ich an das kannenweise durch
den Vergaser laufende Benzin dachte. Eines solchen Tieres Durst zu stillen wurde
zur Aufgabe, deren Bewältigung mich stolz machte. In einer ganz finsteren
Stunde ließ ich aus den Reifen etwas Luft ab und verstellte mit einem kleinen
Schraubenzieher die Zündung - 20 Liter, das war mein Traum!
Manchmal stellte ich mich jetzt auf Autobahnrastplätzen in die Nähe
der Phalanx der Allrad- Fanatiker. Wie viele andere hatte auch ich lange Zeit
gerätselt, was diese Menschen, die bekanntlich nie im Gelände fahren,
an ihren sperrigen, hochhackigen Kleinlastwagen finden. Nun kannte ich ihr kleines
Geheimnis! Mit leuchtenden Augen wisperten sie einander Literzahlen zu. ``Was
nimmt dein Jeep?'' - ``26,8 Liter Super verbleit!'' - ``Stadt?'' - ``Strecke,
konstant 100.'' - ``Toll!''
Ich entdecke ein neues Wir-Gefühl. Wir sind nicht wenige! Unsere geheime
Leidenschaft verbindet Fabrikbesitzer und Hausbesetzer, Zahnärzte und Zahnlose,
die Eigner riesiger neuer Geschosse und die Lenker riesiger alter Karren. Das
Abfackeln fossiler Brennstoffe ist unsere Lust.
Auch wir haben eine Stätte der Wahrheit, der Schönheit, der Erhabenheit,
einen Ort, wo wir zu uns finden, eine Kirche: Das ist die Tankstelle. Da stehen
wir mit unseren großen, durstigen Tieren und kippen Hektoliter des elektrisierenden
Saftes in unsere bodenlosen Tanks, um später an der Kasse die Blauen nur
so hin zu blättern und zu bluten. Ein rechter Opfergang ist das Tanken.
Hören Sie? Wie er quietscht, der kleingeistige Windkanalfreund, wenn er
von der neuesten Benzinsteuererhöhung hört. Wir dagegen jubeln. Je höher
der Preis, desto größer und herrlicher unser Opfer. Sehen Sie? Wie
er den Benzinschlauch wringt, der mediokre Tropfenzähler. Wie er sorgsam
noch den Zapfhahn schüttelt. Jeder verlorene Tropfen möchte ihm den
Schnitt zunichte machen. Wir dagegen lassen es zum Ende des Tankens immer noch
einmal herzhaft schwappen und spritzen - ``Ein Sonderopfer für die Hölle'',
lachen wir rauh. Dann lassen wir das Tier brüllen. Und das Land mit all seinen
verdrucksten Ökospießern versinkt in unserer Abgasfahne.
Ich war wie Sie! Zünden Sie eine Kerze für mich an! Beten Sie!
© beim
Autor/DIE ZEIT 1995 Nr. 11
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